Kieztour gegen rechte Zeitungen im Wedding

Im Rahmen der Kampagne „No Compact – Rechte Hetze stoppen“ haben wir am Freitag den 06.10.17 eine Kieztour gegen rechte Zeitungen durch Berlin-Wedding gemacht. Mit etwa 10 Leuten, aufgeteilt in kleinen Teams, besuchten wir rund 15 Verkaufsstellen – Pressefachgeschäfte, Spätis und Tankstellen- von Compact und anderen rechten Medien. Ausgestattet mit Infomaterial, Stickern und einem Brief an die Betreiber*innen informierten wir die Mitarbeiter*innen und Betreiber*innen über die rechten Schmierblätter und sprachen mit ihnen über Möglichkeiten die rechten Zeitungen aus den Regalen zu nehmen.

Die Reaktionen waren unterschiedlich. Viele Betreiber*innen wussten nicht, dass Compact und Junge Freiheit rechte Blätter sind und zeigten sich interessiert an unseren Infos. Es entwickelten sich Gespräche, manche äußerten Sympathie für unsere Aktion. Einige kündigten an, dem zuständigen Pressevertrieb (Grossisten) um eine Abbestellung des Magazins zu bitten. Die sympathischste Reaktion lässt sich in den Worten zusammenfassen: „Diesen Nazischeiß verbrennen wir sofort!“
Wir begegneten aber auch der Aussage, etwa dass man als einzelner Betrieb nichts machen könne, schließlich entschieden die Grossisten darüber welche Zeitungen im Regal landen. Andere warfen links und rechts zusammen und wollten die Junge Freiheit nun zur PKK-Zeitung unter den Ladentisch verbannen. Einige Mitarbeiter*innen schienen geschult im Umgang mit Besuchen wie unseren und verwiesen auf die Presse- und Meinungsfreiheit.

Das Compact-Magazin jedoch ist nicht ein Magazin unter vielen anderen, sondern ein wichtiger Akteur innerhalb der Neuen Rechten. Die regelmäßigen Konferenzen mit Kadern der extremen Rechten (die nächste Konferenz u.a. mit IB-Youtubestar Martin Sellner und Pediga-Gründer Lutz Bachmann findet am 25.11.17 in Leipzig statt. Achtet auf Ankündigungen!), Schulungen für AfD Parlamentarier*innen sowie Auftritte des Compact-Chefredakteurs Jürgen Elsässer bei Pegida sind Beispiele dafür. Die rassistische, anti-feministische und antisemitische Hetze sind Motor der faschistischen Gewalt und des Rechtsrucks in der Gesellschaft. Dagegen können sich auch Kioskbetreiber*innen positionieren: Indem die Compact unterm Ladentisch verschwindet, rechte Zeitungen in der hintersten Ecke unter anderen Blättern versteckt werden oder mit einem Aufkleber in der Scheibe.

Insgesamt ziehen wir ein positives Fazit unserer Aktion. Wir kamen mit vielen Kioskbetreiber*innen und Mitarbeiter*innen im Kiez ins Gespräch über den Rechtsruck und rechte Zeitungen. Im diesem Sinne verstehen wir unsere Kieztour als einen Beitrag zu einer antifaschistischen Nachbarschaftsarbeit. Weitere Touren in anderen Kiezen sind geplant.

Wenn ihr selbst Lust habt mal bei dem Kiosk nebenan vorbeizuschauen, könnt ihr euch auf http://www.mykiosk.de darüber informieren, wo die Compact und andere rechte Zeitungen verkauft werden. Wir haben jedoch festgestellt, dass (erfreulicherweise) nicht alle aufgelisteten Verkaufsstellen die Zeitungen auch tatsächlich im Programm haben. Einen ausführlichen Bericht zu einer weiteren Kieztour gegen rechte Zeitungen in Neukölln findet ihr hier: https://www.antifa-berlin.info/news/1349-kiosktour-gegen-rechte-zeitungen-in-neuklln

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