Vertriebsstrukturen

 

Von Grossisten und Kiosken – Vertriebs- und Verkaufsstrukturen von rechten Magazinen

Wie kommen rechte Magazine in einen Kiosk?
Ob rechte Publikationen im Regal eines Kiosks landen hängt nicht allein von den jeweiligen Besitzer*innen ab. In der Regel werden Verkaufsstellen für Zeitschriften und Zeitungen (z.B. Kioske, Buchläden, Tankstellen, Supermärkte, Bäckereien etc.) von sogenannten Pressegrossisten beliefert. Grossisten sind an der Schnittstelle zwischen Verlagen und Verkaufsstellen angesiedelt. Die Händler*innen schließen Verträge mit den Grossisten ab und vereinbaren mit ihnen die Belieferung ihrer Verkaufsstellen. Die Grossisten schnüren Pakete bestehend aus einer Auswahl von Magazinen und Zeitungen und liefern diese an die Verkaufsstellen. Diese Pakete können auch rechte Magazine und Zeitungen beinhalten.

Warum nehmen Grossisten überhaupt rechte Magazine in ihr Sortiment? Grossisten sehen sich als Vollstrecker des grundgesetzlich verankerten Rechts auf freie Meinungsäußerung. Sie verpflichten sich daher dazu, jeden Artikel unabhängig von seinen Inhalten in ihrem Sortiment aufzunehmen und garantieren einen ungehinderten Marktzutritt für jede Zeitung und Zeitschrift. So soll der Absatz von kleineren Magazinen und Verlagen gesichert werden. Die Verlage können die Aufnahme ihrer Publikationen in das Sortiment eines Grossisten durch einen Vertrag zwischen dem Verlag und dem Grossist sichern.

Der Grossist muss jedoch weder einen Vertrag mit einem rechten Verlag abschließen, noch muss er ein rechtes Magazin einem Zeitungspaket hinzufügen. Diese Entscheidung beruht vor allem auf wirtschaftlichen Interessen.

Nach welchen Kriterien stellen die Grossisten ihre Zeitschriftenpakete zusammen?
Die Pakete von Magazinen und Zeitungen die sie an die Händler*innen schicken, stellen die Grossisten nach eigenen Angaben durch eine Marktanalyse der Verkaufsmöglichkeiten zusammen. Sie haben dabei eine gewisse Freiheit, mit welchen Magazinen sie ihre Pakete bestücken, rechte Publikationen müssen also nicht zwangsläufig in den Zeitschriftenpaketen landen. Zudem gilt: wenn sich ein Magazin überhaupt nicht verkauft, kommt es nicht mehr ins Paket.

Welcher Grossisten beliefert den Kiosk um die Ecke mit rechten Magazinen?

Grossisten haben regionale Monopole, das heißt für eine bestimmte Region ist jeweils nur ein Grossist für die Belieferung von Verkaufsstellen verantwortlich. Daraus wiederum erwächst eine Belieferungspflicht durch die Grossisten an die örtlich ansässigen Händler*innen wenn diese einen Vertrag vereinbaren. Eine Auflistung der regional zuständigen Pressegrossisten findet ihr unter:

http://www.pvg.de/grosso/index.php?id=45
http://www.pressegrosso.de/index.php?id=352

Welchen Einfluss haben Händler*innen auf die Zusammenstellung der Zeitschriftenpakete und den Verkauf von rechten Magazinen?
In den Verträgen die zwischen den Grossisten und den Händler*innen geschlossen werden, wird nicht geregelt, welche Magazine und Zeitungen als Paket an die jeweilige Verkaufsstelle versandt wird. Wie bereits oben beschrieben, stellen die Grossisten die Zeitschriftenpakete nach einer Marktanalyse zusammen. Die Händler*innen haben darauf keinen direkten Einfluss.
Sie haben aber dennoch Möglichkeiten den Verkauf von rechter Hetze zu stoppen:
I.) Die Händler*innen können den Verkauf von rechten Publikationen verweigern und den Grossisten auffordern, ihre Verkaufsstelle nicht mehr mit rechter Hetze zu beliefern. Nun hängt es am Grossisten, diese Aufforderung zu akzeptieren oder Druck auf die Händler*innen auszuüben weiterhin rechte Magazine zu verkaufen.

II.) Die Händler*innen können durch eine geschickte Platzierung von rechten Publikationen, z.B. unter dem Ladentisch, in der hintersten Ecke des Ladens oder unter anderen Publikationen versteckt, die Verkaufszahlen der rechten Hetze senken. In der Folge werden die rechten Zeitschriften und Zeitungen aus den Paketen der Grossisten genommen. In beiden Fällen gilt: Je mehr Kioske mitmachen, desto größer der Druck auf die Grossisten!

III.) Die Verhandlungsposition zwischen einem kleinen Kiosk und einem Grossisten ist sehr unausgewogen, viele Kioske schrecken daher vor einer Konfrontation mit den Grossisten zurück, obwohl es in der Vergangenheit viele Beispiele gibt, wo der Verkauf von rechten Publikationen ohne größere Komplikationen gestoppt werden konnte. Größere Unternehmen oder Ketten, wie z.B. das Franchiseunternehmen für Buch- und Presseverkauf „Relay“ hingegen haben eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber den Grossisten und können Sie zur Herausnahme von rechten Magazinen zwingen. Wenn ihr über größere öffentliche Aktionen nachdenkt, sind solche Unternehmen neben den Grossisten sicherlich gute Adressat_innen.

Wer trägt die Kosten wenn rechte Magazine nicht mehr verkauft werden?
Die Kosten für jede nicht verkaufte rechte Zeitschrift oder Zeitung tragen die Verlage. Die Grossisten nehmen die Zeitschriften von den Verlagen auf Kommission und geben die Zeitschriften an die Verkaufsstellen ebenfalls auf Kommission. Das heißt jede nicht verkaufte Zeitschrift geht zurück an den Verlag der für die entstandenen Kosten selbst aufkommen muss.

 

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